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Blechspielzeug-Geschichte

Die Blechspielzeugproduktion in Deutschland nach 1945


Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges brachte einen tiefen Einschnitt für die Blechspielzeugproduktion in Deutschland mit sich. Fast ausnahmslos mussten die Hersteller die Produktion von Spielzeug vorübergehend einstellen und ihre Betriebe auf die Produktion kriegswichtiger Güter umstellen. nach Beendigung des Krieges war ein Großteil der Fabrikanlagen ganz oder teilweise zerstört, die Maschinen und Werkzeuge verschüttet oder vernichtet.

Nun begann die Zeit des Wiederaufbaus: Luftschutzräume, Keller, Bunker und dergleichen wurden in zweckmäßige Arbeitsstätten umgewandelt. Das es am Nötigsten fehlte, war die Beschaffung von Baumaterial noch mit größten Schwierigkeiten verbunden, Erschwerend kam hinzu, dass die Produktion von Spielzeug, da es sich um kein lebensnotwendiges Gut handelte, als unwichtig eingestuft wurde. Die eingeführten Zonengrenzen hemmten den innerdeutschen Wirtschaftsverkehr zusätzlich. Somit waren Anpassungsfähigkeit und Improvisationstalent die wichtigsten Eigenschaften, um erfolgreich voranzukommen. Noch immer herrschte überall starke Materialknappheit, und so galt es, erfinderisch zu sein und beispielsweise Vorräte in Form von alten Halbteilen einzusetzen.

Erst als die Bedeutung von Blechspielzeug als Zahlungsmittel für unentbehrliche Lebensmitteleinfuhren erkannt wurde, änderte sich dieser Zustand. Nun lag es im allgemeinen Interesse, einfaches und preiswertes Spielzeug in bester Ausführung auf den Markt zu bringen, um sich auf diese Weise gegenüber der ausländischen Konkurrenz behaupten zu können.

Nach der Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen gehörte die Spielzeugmetropole Nürnberg dem amerikanischen Sektor an. Alle in diesem Gebiet hergestellten Waren mussten bis 1949 entsprechend gekennzeichnet werden. So wurde das Blechspielzeug z.B. mit  "Made in U.S. Zone Germany", "Made in Germany U.S. Zone" oder "Made in U.S. Zone" gemarkt. Nach der Aufhebung dieser Bestimmung wurden die Prägestempel und Druckstöcke jedoch nicht sofort ausgetauscht, sondern teilweise noch in den darauffolgenden Jahren verwendet.

In Nürnberg wurde Mitte 1946 eine Registrierstelle  für die bayerische Spielwarenproduktion eingerichtet. Jeder Artikel, der ab 1. September 1946 gefertigt werden sollte, musste in die Registrierrolle eingetragen und der Verkaufspreis festgelegt werden. Aufgabe dieser Stelle war es aber auch, als minderwertig erachteten Spielwarenerzeugnissen die weitere Materialzuweisung zu verweigern. Erst nach Erteilung der Registriernummer waren die Spielwaren zur Fertigung freigegeben.

Bereits 1946 hatten zahlreiche Betriebe die Produktion für den Export wieder aufgenommen. Auf der Ersten Leipziger Friedens-Messe war mit 213 Ausstellern immerhin fast die Hälfte der Aussteller früherer Messen erreicht.

Um den Absatz vor allem in den USA auszubauen, beauftragten die Spielzeughersteller häufig Künstler mit der Gestaltung der Verpackungen. Ihre Aufgabe lag darin, das Objekt nicht einfach zeichnerisch zu erfassen, sondern passende Szenen zu illustrieren.

Erst 1950 war es den Herstellern wieder möglich, auch den inländischen Markt mit Blechspielzeug zu versorgen. Annähernd normale Verhältnisse waren eingetreten. In der Spielwarenindustrie herrschte Vollbeschäftigung, die vor allem auf die zunehmende Exportintensität zurückzuführen war. Im Jahr 1950 hatten sich die Spielwarenexporte, die von Deutschland aus in fast 50 Länder gingen, gegenüber dem Vorjahre verdreifacht. Diese steigende Exportentwicklung hielt bis Mitte der fünfziger Jahre an.

Die Sortimente der Blechspielzeughersteller veränderten sich im Vergleich zu der Zeit vor dem Krieg: eine Abkehr von Kriegsspielwaren fand statt. Nun beherrschten neben zivilen Automobilen und Motorrädern Kräne, Feuerwehrwagen und eine große Anzahl von Traktoren mit Anhängern aller Art das Angebot. Bei den Antriebsarten wurde die Vorherrschaft des Uhrwerks durch den Einsatz von Schwungrädern und Batterieantrieb gebrochen.

Zur gleichen Zeit setzte der Siegeszug des Kunsstoffs ein. Anfangs waren es nur kleine Elemente, wie z.B. Lenkräder, die durch Kunsstoffteile ersetzt wurden. Doch nach und nach wurden immer weitere und größere Teile aus diesem Werkstoff hergestellt.

Auch die immer stärker werdende Konkurrenz durch presiwertes japanisches Blechspielzeug, vor allem in den USA, führte dazu, dass während der sechziger Jahre die Produktion der deutschen Blechspielwaren ständig abnahm und viele der berühmten Firmennamen verschwanden.

(Aus: "Deutsches Blechspielzeug nach 1945" von Alfred Kraus und Dominique Kunze)


Literaturempfehlungen (eigene Auswahl, im Handel z.T. nicht mehr erhältlich):
       
Schuco, Bing & Co: vom Blechspielzeug zur Modelleisenbahn 1887 - 2000 ...‎
von Marcus Keresztes, Horst Fleischmann - 2000 - 144 Seiten

Schuco, Bing & Co: berühmtes Blechspielzeug aus Nürnberg: Band 1‎
von Jürgen Franzke - 1993 - 131 Seiten
   
Lexikon historisches Blechspielzeug: von Beginn bis 1945‎
2003
   
Zirndorf und seine Blechspielzeug-Industrie‎
von Sabine Finweg, Veronika Dorrer - 2002 - 127 Seiten
   
Schönes altes Blechspielzeug.: Von 1880 bis 1970. Mit aktuellen Marktpreisen‎

von Dieter Liehm - 1998 - 560 Seiten

Spielzeug zum Aufziehen: schönes Blechspielzeug der Jahre 1945 bis 1975‎
von Michael Buhler, Jan Hessenberg - 1978 - 80 Seiten
   
Die goldenen Jahre der Blechspielzeug-Eisenbahnen‎
von Paul Klein Schiphorst - 2002 - 360 Seiten

Blechspielzeug der Fa. E.P. Lehmann: Niederrheinisches Museum für Volkskunde ...‎

von Robert Plötz, Jürgen Cieslik, Marianne Cieslik, Ernst Paul Lehmann (Firm), Niederrheinisches Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte Kevelaer, Kleve (Germany : Kreis) - 1982 - 29 Seiten

Blechspielzeug: Autos: Motorräder‎
von Rudger Huber - 1982 - 200 Seiten
   
Blechspielzeug.: Mechanische Spielwaren aus der ersten Hälfte des 20 ...‎

von Peter Ertel, Klaus-Dieter Wittmann - 1994 - 160 Seiten

Nürnberger Blechspielzeug: die einzigartigen mechanischen Spielwaren der ...‎

von Gerhard G. Walter - 1991 - 143 Seiten

Blechspielzeug Patente‎
von Marianne Cieslik, Jürgen Cieslik, Germany. Reichspatentamt - 1977
   
Blechspielzeug: mechanische Raritäten und ihre Hersteller‎
von Margot Brauch, Albrecht Bangert - 1980 - 160 Seiten

Vergessenes Blechspielzeug‎
von Carlernst Baecker, Christian Väterlein - 1982 - 159 Seiten

Blechspielzeug- Nutzfahrzeuge und Traktoren: Sammlerträume ...‎

von Dieter Warnecke - 2008 - 168 Seiten
   
Blechspielzeug: vom Kindheitstraum zum begehrten Sammlerobjekt‎
von Botho G. Wagner - 1994 - 252 Seiten


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